Individualisierte Theranostik bei okkulter Peritonealkarzinose
Wie ein sorgfältig ausgewähltes Isotopen-Arsenal auf Basis der neuesten klinischen Erkenntnisse den Weg zur kompletten Remission ebnete.
Der vorliegende Fall einer Peritonealkarzinose nach roboterassistierter DaVinci-Prostatektomie illustriert das exzellente Ergebnis personalisierter Theranostik.
Eine Peritonealkarzinose nach roboterassistierter Operation ist, auch der OP-Technik geschuldet, kein Einzelfall. Sie entsteht durch Verschleppung von Krebszellen im Bauchraum. Das Pneumoperitoneum[1] und kontinuierliche Spülwasser begünstigen diese Verschleppung bis in die hintersten Winkel.
Da das Prostatakarzinom sehr langsam wächst, bleiben solche peritonealen Absiedelungen über Jahre unauffindbar. Selbst Verfahren wie die PSMA-PET/CT mit Gallium-68 oder Fluor-18 stoßen hier an ihre Grenzen – auch bei schon recht hohen PSA-Werten deutlich über 1 ng/ml. Die Läsionen sind zu klein, die PSMA-Expressionsdichte zu gering, das Hintergrundrauschen des normalen Gewebes zu hoch.
Nach zumeist erfolglosen lokalen Strahlentherapien wird oft eine dauerhafte antihormonelle Therapie eingeleitet. Dies maskiert dann die Peritonealkarzinose bis zum Stadium der Kastrationsrefraktärität.
In unserem Fall wehrte sich der Patient standhaft gegen eine blinde Hormontherapie und wollte der Ursache des PSA-Anstiegs auf den Grund gehen. Dies führte dann zur Durchführung einer 89Zr-PSMA PET/CT. So konnten nicht nur die winzigen peritonealen Läsionen entdeckt, sondern auch ihre PSMA-Positivität nachgewiesen werden.
Die höhere Präzision von Zirkonium-89 liegt in seiner längeren Halbwertszeit von etwa 78 Stunden (entgegen nur 68 Minuten bei Ga-68).
Dies erlaubt spätere Bildgebung – bis zu mehreren Tagen nach Injektion. In dieser Zeit reichert sich das diagnostische Radiopharmakon auch in sehr kleinen oder schwach PSMA-exprimierenden Läsionen verstärkt an, während es aus gesundem Gewebe ausgeschwemmt wird. Das verringert das Hintergrundrauschen und führt zu einem schärferen Kontrast.
Dies ermöglichte ein extrem modernes theranostisches Therapiekonzept. Basierend auf zwei aktuellen Studien – PSMAddition und VIOLET – erhielt der Patient:
- eine kurze antihormonelle Vortherapie mit Relugolix zur Steigerung der PSMA-Expression (Im Gegensatz zu den klassischen GnRH-Agonisten wie Leuprorelin umgeht Relugolix, ein GnRH-Antagonist, den initialen Testosteron-Anstieg (Flare-Effekt) und senkt Testosteron sofort. Nach Absetzen normalisiert sich der Spiegel schnell – Nebenwirkungen wie Fatigue oder Hitzewallungen bleiben zeitlich strikt begrenzt.)
- eine PSMA-RLT mit individueller Nuklid-Anpassung: eine Sitzung mit Terbium-161 und zwei – mit Lutetium-177. Tb-161 eignet sich besonders um die Mikrometastasen der Peritonealkarzinose suffizient zu behandeln.
Das aktuelle Ergebnis ist hervorragend, bei maximaler Lebensqualität des Patienten:
- PSA Ende 01/2026 – 0,4 ng/ml bei normalem Testosteron
- 89Zr-PSMA PET/CT – metabolische Komplettremission.
[1] Die gezielte Insufflation von Gas in die Bauchhöhle, während einer laparoskopischen oder roboterassistierten Operation zum Abheben der Bauchdecke vom Darm und den inneren Organen, um so einen Arbeitsraum für Kamera und Instrumente zu schaffen.










