FDA erteilt Zulassung für 177Lu-PSMA-617 beim hormonsensitiven Prostatakarzinom – Radioligandentherapie erreicht eine frühere Behandlungsstufe.
Die FDA hat Pluvicto® (¹⁷⁷Lu-PSMA-617) für das PSMA-positive metastasierte hormonsensitive Prostatakarzinom (mHSPC) zugelassen – und erweitert damit erstmals dessen Einsatz über das kastrationsresistente Stadium hinaus. Dies ist die dritte Erweiterung der zugelassenen Anwendung von Pluvicto in den USA und die erste, die die Therapie vollständig aus dem Bereich des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) herausführt.
Ein kurzer Überblick über die Zulassungsgeschichte:
- März 2022 – Erste FDA-Zulassung, basierend auf der VISION-Studie, für das PSMA-positive mCRPC bei Patienten, die zuvor mit einem Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (ARPI) und einer taxanbasierten Chemotherapie behandelt wurden.
- März 2025 – Erweiterte Zulassung, basierend auf der PSMAfore-Studie, für PSMA-positive mCRPC-Patienten, die unter einem ARPI progredient waren, aber noch keine Chemotherapie erhalten hatten – wodurch sich die anspruchsberechtigte Patientenpopulation zu diesem Zeitpunkt etwa verdreifachte.
- Juli 2026 – Die aktuelle Zulassung, basierend auf der PSMAddition-Studie, erweitert die Anwendung auf die Androgenrezeptor-Signalweg-naive oder -sensitive Erkrankung (mAPMN/S) [1] – noch vor Eintritt der Kastrationsresistenz, in der ersten Behandlungslinie.
Zusammengenommen bedeuten diese Zulassungen, dass ¹⁷⁷Lu-PSMA-617 nun über das gesamte Spektrum des PSMA-positiven metastasierten Prostatakarzinoms hinweg zugelassen ist – von der hormonsensitiven Erstlinienbehandlung bis zur späteren kastrationsresistenten Stufe.
Worauf die neue Zulassung basiert
Die Entscheidung stützt sich auf die Ergebnisse der Phase-III-Studie PSMAddition, in die 1.144 Patienten mit unbehandeltem oder nur minimal vorbehandeltem mHSPC und mindestens einer PSMA-positiven Läsion im PET/CT eingeschlossen wurden. Die Patienten erhielten entweder ¹⁷⁷Lu-PSMA-617 in Kombination mit einer Standard-Hormontherapie (ADT plus ARPI) oder die Standard-Hormontherapie allein.
Eine aktualisierte Analyse zeigte, dass die Hinzunahme von ¹⁷⁷Lu-PSMA-617 das Risiko einer radiografischen Progression im Vergleich zur alleinigen Hormontherapie um 33% senkte – eine Verbesserung gegenüber den 28%, die zuvor in der primären Analyse der Studie berichtet wurden. Die Daten zum Gesamtüberleben sind noch nicht vollständig ausgereift, zeigen jedoch bereits einen frühen Trend zugunsten der Radioligandenkombination.
Was das für Patienten bedeutet
Bisher stand ¹⁷⁷Lu-PSMA-617 Patienten in den USA erst dann zur Verfügung, wenn das Prostatakarzinom resistent gegenüber der Hormontherapie geworden war. Diese Zulassung ermöglicht es PSMA-positiven Patienten, bereits bei der Erstdiagnose einer metastasierten Erkrankung Zugang zur Radioligandentherapie zu erhalten – mit dem Potenzial, die Progression früher im Krankheitsverlauf zu verzögern, wenn Patienten sich tendenziell in einem besseren Allgemeinzustand befinden und etwaige behandlungsbedingte Nebenwirkungen besser bewältigen können.
Bei uns bereits verfügbar
Auch wenn es sich hierbei um eine neue FDA-Zulassung in den USA handelt, ist ¹⁷⁷Lu-PSMA im hormonsensitiven Setting für uns nichts Neues – wir bieten die Radioligandentherapie in diesem Stadium bereits seit einiger Zeit an und begrüßen Patienten sowohl aus Österreich als auch aus dem Ausland.
Für Ärzte und Patienten, die sich mit einer neuen mHSPC-Diagnose auseinandersetzen, dürfte diese breitere regulatorische Anerkennung weitere Fragen zu Anspruchsberechtigung und Zugang aufwerfen. Wir unterstützen diesen Austausch gerne – sei es durch PSMA-PET/CT-Diagnostik, Behandlungsplanung oder durch die Bereitstellung von Informationen für zuweisende Ärzte.
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[1] Die FDA verwendet in der Zulassung seit Juli 2026 die neue Bezeichnung "metastatic androgen pathway modulation-naïve or -sensitive" (mAPMN/S) anstelle von mHSPC. Diese Umbenennung geht auf aktualisierte Empfehlungen der Prostate Cancer Working Group 4 (PCWG4) zurück, die eine präzisere, einheitliche Terminologie für klinische Studien und Zulassungen etablieren sollen. Der bisherige Begriff "hormonsensitiv" (mHSPC) wurde als zu ungenau erachtet, da er unterstellt, dass die Erkrankung tatsächlich auf Hormontherapie "anspricht" – was klinisch nicht in jedem Fall zutrifft. In der klinischen Praxis ist der Begriff mHSPC weiterhin gebräuchlich; wir verwenden ihn in diesem Artikel daher weiterhin als gängige Bezeichnung.






