PSMA PET/CT: Von Der Momentaufnahme Zur Dynamischen Behandlungssteuerung
Seit seiner Einführung in die klinische Bildgebung des Prostatakarzinoms vor etwas mehr als einem Jahrzehnt hat die PSMA PET/CT eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen – von einer vielversprechenden, zunächst eher spezialisierten molekularen Bildgebungstechnik hin zu einem integralen Bestandteil des modernen Prostatakrebsmanagements.
Frühe Studien mit 68Ga-markierten PSMA-Liganden zeigten, dass PSMA PET/CT in der Lage ist, Prostatakarzinomläsionen mit deutlich höherer Sensitivität als konventionelle bildgebende Verfahren zu detektieren, insbesondere bei biochemischem Rezidiv. Auf dieser rasch wachsenden Evidenzbasis folgten prospektive Studien wie ProPSMA, die eine höhere diagnostische Genauigkeit der PSMA PET/CT gegenüber der konventionellen CT und Knochenszintigraphie bei der initialen Stadienbestimmung von Hochrisikopatienten sowie einen größeren Einfluss auf das therapeutische Management zeigten.
Diese Daten haben die PSMA PET/CT zunehmend aus einer Randposition innerhalb der Prostatakarzinomdiagnostik in die klinische Routine überführt[i]. Aktuelle internationale Leitlinien unterstützen ihren Einsatz bei der initialen Stadienbestimmung, bei der Lokalisation eines Rezidivs sowie zur Beurteilung des Effekts der PSMA-gerichteten Radioligandentherapie.
Die jüngsten Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass die Bedeutung der PSMA PET/CT weit über eine einmalige diagnostische Untersuchung zu einem bestimmten Zeitpunkt im Krankheitsverlauf hinausgehen könnte. Die PSMA PET/CT entwickelt sich zunehmend zu einem longitudinalen bildgebenden Verfahren, das im Verlauf der Erkrankung wiederholt eingesetzt werden kann, um die Therapie an die jeweils aktuelle Situation anzupassen. Der Wert dieses Ansatzes wird durch zwei aktuelle Studien veranschaulicht:
- Wiederholte Bildgebung kann klinisch relevante Läsionen aufdecken, die bei der initialen Untersuchung nicht identifiziert wurden, und dadurch den weiteren Behandlungsplan verändern – „Bei mehr als der Hälfte der Patienten mit biochemischem Rezidiv nach einer Primärtherapie des Prostatakarzinoms, bei denen die erste PSMA-PET/CT-Untersuchung negativ ausfiel, kann eine zweite PSMA-PET/CT-Untersuchung Läsionen detektieren. Der klinische Nutzen einer zweiten PSMA PET/CT-Untersuchung bleibt hoch, da bei nahezu 50% der Patienten eine Änderung des weiteren Behandlungsvorgehens erforderlich wird. Nach einem initial negativen Befund ist eine zweite PSMA PET/CT-Untersuchung insbesondere bei Patienten mit einem PSA-Wert von >0,5 ng/ml oder einer PSA-Verdopplungszeit von <12 Monaten wahrscheinlich aussagekräftig.“[1]
- Eine wiederholte Bildgebung nach Beginn einer Inhibition des Androgenrezeptor-Signalwegs kann therapieinduzierte Veränderungen der PSMA-Expression zeigen und darüber hinaus Unterschiede im biologischen Verhalten individueller Tumoren sichtbar machen, die für die Eignung und den potenziellen Nutzen einer PSMA-gerichteten Radioligandentherapie relevant sein können.[2]
Vor diesem Hintergrund ist die zweite PSMA PET/CT nicht lediglich eine Bestätigung der ersten Untersuchung, sondern kann neue biologische und klinische Informationen liefern, die sich im Laufe der Zeit und unter dem Therapieeinfluss ergeben.
Zusammengenommen sprechen diese Entwicklungen für einen Perspektivwechsel: Die PSMA PET/CT sollte zunehmend nicht mehr als Untersuchung verstanden werden, die einmalig zur Stadienbestimmung oder beim Auftreten eines biochemischen Rezidivs durchgeführt wird. Vielmehr könnte es sich zu einem diagnostischen Instrument entwickeln, das den Patienten durch den gesamten Krankheitsverlauf begleitet – von der initialen Stadienbestimmung über das Re-Staging beim Rezidiv und die Neuevaluierung der Tumorbiologie unter systemischer Therapie bis hin zur Auswahl und Anpassung nachfolgender Therapien.
Wir bei MINUTEmedical nutzen dies schon seit vielen Jahren in dieser Form für unsere Patienten, um zügig und individuell angepasst auf Veränderungen im Krankheitsverlauf zu reagieren.
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[1] Ur Metser, Glenn Bauman, Mohammed Rashid, et al.; Utility of PSMA PET/CT After an Initial Negative Scan: Results from a Prospective Multicenter PSMA PET Registry; Journal of Nuclear Medicine, Jul 2026, 67 (7) 1097-1101; DOI: 10.2967/jnumed.126.272204
[2] Emmett, L., Swiha, M., Papa, N. et al. Predictive value of early PSMA upregulation for the response to enzalutamide ± 177Lu-PSMA-617 in poor-risk, metastatic, castration-resistant prostate cancer: substudy of the randomized, phase 2 ENZA-p trial. Nat Cancer 7, 622–630 (2026). https://doi.org/10.1038/s43018-026-01140-3
[i] Zeitachse - Etabierung von PSMA PET
| 2021 | Die gemeinsame multidisziplinäre „Appropriate Use Criteria for PSMA PET“ von SNMMI/AUA/ASCO/EANM/usw. erkannte erstmals offiziell an, dass die PSMA-PET das Stadium eines experimentellen Verfahrens hinter sich gelassen hatte und über geeignete klinische Indikationen verfügte. |
| 2022 | Das EAU-EANM Consensus Statement befasste sich ausdrücklich mit der Rolle von PSMA PET/CT beim Prostatakarzinom und ihrem Zusammenhang mit der 177Lu-PSMA-Radioligandentherapie. |
| 2022 | EAU Prostate Cancer Guidelines: PSMA PET/CT wurde in die Evidenzbasis der EAU für die Stadienbestimmung aufgenommen; die Leitlinie stellte ausdrücklich fest, dass PSMA PET/CT bei Hochrisikopatienten genauer ist als CT in Kombination mit Knochenszintigraphie. |
| 2023 | Die gemeinsame EANM/SNMMI PSMA PET/CT Procedure Guideline 2.0 etablierte einen standardisierten Rahmen für die klinische Routineanwendung und umfasste ausdrücklich initiale Stadienbestimmung, Restaging, die Diagnostik bei Rezidiv sowie die Auswahl von Patienten für eine PSMA-Radioligandentherapie. |






